Schülerlotsen: Schutzengel für die Schulkinder

Bayerns Schülerlotsen ermitteln ihren Landessieger

In einem bundesweiten Wettbewerb der Deutschen Verkehrswacht und des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) haben sie ihr Wissen und Können unter Beweis gestellt: Die 60 000 Schülerlotsen, die sonst Tag für Tag ihre jüngeren Kameraden vor Verkehrsgefahren schützen, sei es an gefährlichen Straßenübergängen oder beim Schulbus-Betrieb. 14.000 von diesen freiwilligen Helfern gibt es allein im Freistaat Bayern. Beim diesjährigen Landesentscheid in Straubing haben sie jetzt ihren "Bayerischen Meister" ermittelt. Ihm winkt die Fahrt zum Bundesentscheid des Lotsenwettbewerbs, der am 10. und 11. Oktober in Berlin ausgetragen wird.

In der Vorrunde hatten die Lotsen bei Ausscheidungen auf der Kreis- und Bezirksebene erst einmal einen kniffligen Fragebogentest zu bestehen und Schätzaufgaben zu vollziehen. Bloßes Verkehrswissen genügte dazu nicht; auch ein breitgefächertes Allgemeinwissen galt es unter Beweis zu stellen. Die 15 besten aus den sieben bayerischen Regierungsbezirken kamen nun in den Landesentscheid, den die Verkehrswacht Straubing mit weiteren Sponsoren in der Josef-von-Fraunhoferhalle gemeinsam ausrichtete.
Erneut mussten hier die jungen Verkehrshelfer ihre Fachkompetenz und ihr Wissen unter Beweis stellen. Im theoretischen Teil waren 35 Fragen über die alltägliche Aufgabenbewältigung aufgrund eines fundierten Grundwissens zu beantworten. Im Praxisteil galt es zunächst das eigene Reaktionsvermögen zu testen. Den Abschluss bildeten Geschwindigkeitsschätzungen bei herannahenden Fahrzeugen. Damit verbunden war die Frage nach dem schnellst möglichen Anhalten können ohne querende Kinder zu gefährden. Dass die Entfernung eines Fahrzeuges richtig taxiert wird, gilt schon seit der Ausbildung als zum "Alltagsgeschäft" gehörig.
Zum Sieger gekürt wurde der Lotse, der in allen Testbereichen die geringste Fehlerzahl zu verzeichnen hatte.
Von den Schulen zusammen mit den Eltern ausgewählt, von der Polizei ausgebildet und von der Verkehrswacht betreut, gehören die Lotsen im Freistaat gemeinsam mit rund 16 000 erwachsenen Helfern zu den so genannten Schulwegdiensten.

Wie gut diese "Schulweg - Schutzengel" ihr Amt ausüben, unterstreicht eine Erhebung des Bayerischen Innenministeriums: an den von ihnen gesicherten Ampel - und Zebrastreifenübergängen ist seit Einführung der Schulwegdienste im Jahre 1953 kein einziges Schulkind getötet worden.

Dagegen sind alleine im Jahr 2006 689 Schulwegunfälle mit 796 verletzten Kindern zu beklagen.

Deshalb tritt die Verkehrswacht mit Nachdruck für einen weiteren Ausbau der Schulwegdienste ein: An jeden gefährlichen Übergang und in jeden Schulbus gehöre eigentlich ein Lotse. Im Blick auf dieses Ziel sollten die Schulen, Elternbeiräte und Gemeinden noch aktiver werden. Ebenso wichtig sei, dass die Väter und Mütter ihre Kinder zu einer Tätigkeit als Schülerlotse ermuntern. Wo die Gewinnung von Lotsen wegen des erforderlichen Mindestalters von 12 bis 13 Jahren nicht möglich ist - dieses Problem gibt es vor allem an reinen Grundschulen -, bietet sich die Möglichkeit an, erwachsene Schulweghelfer einzusetzen.

Am Vormittag wurde die Veranstaltung durch Herrn Staatssekretär Georg Schmid aus dem bayerischen Innenministerium und dem örtlichen Verkehrswachtvorsitzenden Herrn Hans Günter Sax eröffnet. Staatssekretär Schmid überbrachte zunächst die besten Grüße von Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber. Schmid selbst begleitet seit Jahren sowohl die Bezirks- als auch Landeswettbewerbe und erlebt dadurch hautnah die fundamentale Bedeutung der Schulwegdienste für die Sicherheit der bayer. Schulkinder. So ist seit 1980 an den Überwegen, die durch Schulwegdienste zusätzlich gesichert werden, kein einziger tödlicher Unfall passiert. Vor diesem Hintergrund appellierte der Staatssekretär an alle Bürgerinnen und Bürger, über ein ehrenamtliches Engagement im Schulwegdienst nachzudenken. Den Schülerlotsen gab er für ihren nachfolgenden Wettbewerb noch mit auf den Weg, dass sie sich schon jetzt alle als Sieger durch ihren besonderen Einsatz fühlen dürfen.


Staatssekretär Georg Schmid bei seiner Begrüßungsrede

Der Präsident der LVW Bayern, Herr Dipl.Ing. Horst Schneider, dankte in seinem Grußwort der Verkehrswacht Straubing und ihrem Vorstandsteam für die Vorbereitung und Ausrichtung der Veranstaltung. Sein besonderer Dank galt dem Vizepräsidenten der Landesverkehrswacht Bayern, Herrn Günter Fuchs, in dessen Verantwortungsbereich die Durchführung des Wettbewerbs lag. Er dankte auch dem TÜV SÜD, dem Bayerischen Gemeindeunfallversicherungsverband und der gastgebenden Stadt Straubing für die gewährte Unterstützung der Verkehrssicherheitsarbeit.

Dann hieß es für die Schülerlotsen, im theoretischen und praktischen Teil des Wettbewerbes ihr Können und Wissen unter Beweis zu stellen. Sie waren mit Eifer und großem Geschick bei der Sache.

Bei der Festveranstaltung am Nachmittag betonte der stellvertretende Landesvorsitzende Fuchs in seiner Festrede, dass die Defizite unserer Zeit mangelnde Hilfe und Einsatz für den Nächsten sind. Bei dieser Veranstaltung sind wir jedoch Zeugen geworden, dass gerade beim Schülerlotsendienst das Gegenteil bewiesen wird, betonte er und der Lotsendienst als Interessengemeinschaft mit hundertprozentiger Erfolgsgarantie bezeichnet werden kann.
Weitere Grußworte übermittelten der Oberbürgermeister der Stadt Straubing, Reinhold Perlak und der Bundestagsabgeordnete Ernst Hinsken. Beide stellten die Notwendigkeit der Kooperation zwischen Schulwegdienst, Polizei und Kommune heraus.

Als Landessieger wurde anschließend Uwe Herkert von der Verkehrswacht Miltenberg ermittelt. Er sowie alle anderen Teilnehmer erhielten wertvolle Sachpreise und eine Urkunde des bayerischen Ministerpräsidenten. Der Sieger vertritt die bayerischen Verkehrswachten vom 10. bis 11. Oktober beim Bundesentscheid in Berlin.

Den zweiten Platz belegte Sebastian Dassler von der Verkehrswacht Herzogenaurach. Dritter wurde Vanessa Simon von der Verkehrswacht Erlangen.


v. l.: Sebastian Dassler, Uwe Herkert, Vanessa Simon

Weitere Platzierungen:

Florian Wirth, Verkehrwacht Günzburg
Philipp Kröger, Verkehrwacht Coburg
Christoph Aigner, Verkehrswacht Vilsbiburg
Marcel Liermann, Verkehrswacht Selb
Michael Daufratshofer, Verkehrswacht Memmingen
Silke Gleser, Verkehrswacht Taufkirchen/Vils
Niklas Ibrom, Verkehrwacht Regen
Dennis Jobst, Verkehrswacht Burglengenfeld
Martin Zellner, Verkehrswacht Burglengenfeld
Nadine Jobst, Verkehrswacht Regensburg
Frederik Lütke, Verkehrswacht Würzburg
Veronika Brandlmeier, Verkehrswacht Taufkirchen/Vils


Die Veranstaltung zur Siegerehrung wurde durch Beiträge der Klasse 4 a und der Jazz -Tanzgruppe der Ulrich Schmidl Grund- und Hauptschule in eindrucksvoller Weise umrahmt.

v. l.: Oberbürgermeister Reinhold Perlak, MdB Ernst Hinsken, die Teilnehmer am Landesentscheid,
v. r.: Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Straubing Hans Günter Sax, stellvertretender Landesvorsitzender Günter Fuchs